Vorrede des Herausgebers
Erschrecken Sie nicht, meine Freundin, anstatt der Handschrift von Ihrer Sternheim eine gedruckte Copey zu erhalten, welche Ihnen auf einmal die ganze Verräterei entdeckt, die ich an Ihnen begangen habe. Die Tat scheint beim ersten Anblick unverantwortlich. Sie vertrauen mir unter den Rosen der Freundschaft ein Werk Ihrer Einbildungskraft und Ihres Herzens an, welches bloß zu Ihrer eigenen Unterhaltung aufgesetzt worden war. »Ich sende es Ihnen (schreiben Sie mir), damit Sie mir von meiner Art zu empfinden, von dem Gesichtspunkt, woraus ich mir angewöhnt habe, die Gegenstände des menschlichen Lebens zu beurteilen, von den Betrachtungen, welche sich in meiner Seele, wenn sie lebhaft gerührt ist, zu entwickeln pflegen, Ihre Meinung sagen und mich tadeln, wo Sie finden, daß ich unrecht habe. Sie wissen, was mich veranlaßt hat, einige Nebenstunden, die mir von der Erfüllung wesentlicher Pflichten übrig blieben, dieser Gemüts-Erholung zu widmen. Sie wissen, daß die Ideen, die ich in dem Charakter und in den Handlungen des Fräuleins von Sternheim und ihrer Eltern auszuführen gesucht habe, immer meine Lieblings-Ideen gewesen sind; und womit beschäftigt man seinen Geist lieber als mit dem, was man liebt? Ich hatte Stunden, wo diese Beschäftigung eine Art von Bedürfnis für meine Seele war. So entstund unvermerkt dieses kleine Werk, welches ich anfing und fortsetzte, ohne zu wissen, ob