I. Psychologischer Teil.
Die Historiker der Prostitution, deren es eine ganze Masse gegeben hat, sind seit langem darüber einig, daß die Prostitution auf dem Aussterbeetat steht. In den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts schrieb Paul Lacroix in der Einleitung zu seinem wissenschaftlichen Koloß, betitelt »Die Prostitution«: »Der Augenblick ist nicht weit, wo die Prostitution vor sich selbst erröten wird, wo sie für immer das Heiligtum der Sitten verlassen wird, wo sie in Dunkelheit und Vergessenheit geraten wird. Es gibt solche Krankheiten, sowohl des menschlichen Herzens wie des Körpers, die verschwinden, indem sie sich selbst verzehren, und die ihre verderbliche Wirkung unter dem Einfluß eines geordneten Lebens verlieren.« Inzwischen hat sich eine Sexualwissenschaft konsolidiert, eine Wissenschaft, die, um mit den eigenen Worten eines Sexualforschers zu reden, »gleich in voller Wehr und Rüstung dastand wie die aus dem Haupte des Zeus entsprungene Wissensgöttin selbst, schwer belastet mit den Ansprüchen eines schon zu voller Entfaltung gediehenen enzyklopädisch aus- und durchgearbeiteten selbständigen Forschungsgebietes«. Inzwischen hat die Lösung der sexuellen Frage, die Aufklärung über das Sexualleben des Menschen, Ladungen von Papier verschlungen, daß man damit alle Schweineställe der Welt austapezieren könnte und die Wohnungen einiger Sexualforscher noch dazu. Inzwischen hat sich an dem