Aus "Der Weltfreund" - Gedichte 1911
Aus „Der Weltfreund“ Gedichte 1911 An den Leser Mein einziger Wunsch ist, Dir, o Mensch verwandt zu sein! Bist Du Neger, Akrobat, oder ruhst Du noch in tiefer Mutterhut, Klingt Dein Mädchenlied über den Hof, lenkst Du Dein Floß im Abendschein, Bist Du Soldat, oder Aviatiker voll Ausdauer und Mut. Trugst Du als Kind auch ein Gewehr in grüner Armschlinge? Wenn es losging, entflog ein angebundener Stöpsel dem Lauf. Mein Mensch, wenn ich Erinnerung singe, Sei nicht hart, und löse Dich mit mir in Tränen auf! Denn ich habe alle Schicksale durchgemacht. Ich weiß Das Gefühl von einsamen Harfenistinnen in Kurkapellen, Das Gefühl von schüchternen Gouvernanten im fremden Familienkreis, Das Gefühl von Debutanten, die sich zitternd vor den Souffleurkasten stellen. Ich lebte im Walde, hatte ein Bahnhofsamt, Saß gebeugt über Kassabücher, und bediente ungeduldige Gäste. Als Heizer stand ich vor Kesseln, das Antlitz grell überflammt, Und als Kuli aß ich Abfall und Küchenreste. So gehöre ich Dir und Allen! Wolle mir, bitte, nicht widerstehn! O, könnte es einmal geschehn, Daß wir uns, Bruder, in die Arme fallen! Kindersonntagsausflug Vom Quai steigt eine Treppe zu Dampfschiff und Booten. Oh, Kindersonntagsausflug! Wie abenteuerlich kam mir das alles vor. Strahlender Fluß, Frühlingshimmel, Regattakähne, Eisenbahnbrücke, Gerüste und Piloten, Blauer Rauch in der Luft. Oh dünnes Gewebe, oh schwacher