Das Haus an der Wien-Brücke
Das Haus, in dem sie wohnten, lag ganz weit draußen, über die Wien-Brücke hinüber und dann den Heumarkt entlang. Es war eine stille Gegend, die sich nach und nach aus dem regen Treiben der Großstadt gesondert und geschieden hatte. Darüber lag es damals wie ein Hauch von Müdigkeit. Das Leben hatte ernste Züge dort, und das Ganze war wie ein absterbender Teil am lebenden Körper der Stadt, ein Teil, durch den nur sickernd leise das Blut noch floß. Da wohnten sie; in einer engen Gasse, deren alte Häuser helle, verblaßte Farben hatten, wie Seidenstoffe alter Möbel, die die Sonne bleichte und die Zeit. Das breite, doppelflügelige Haustor ging es hinein, dann hinweg unter dem hohen, angeräucherten Schwibbogen der Einfahrt und über den stillen großen Hof, in dem die beiden alten Kastanienbäume standen. Und weiter die zweite Stiege hinauf, vier Treppen hoch. Hier also hatten der Postkassensekretär Tobias Bang und seine Frau Marie ihren Haushalt aufgeschlagen, einen gar bescheidenen kleinen Haushalt, in dem alles ruhig dahinlief ohne Hast und lärmende Erregung, gleichwie als hätte das alte Haus auch diese Leutchen in seinen ernsten Bann genommen. Als junger Adjunkt hatte Tobias Bang Marien auf einer Landpartie kennen gelernt, die sie mit ihrer Mutter machte, und sich in sie verliebt. Geld hatte keins von ihnen, aber lieb hatten sich die beiden jungen Menschen – sehr lieb. So wollten sie