Genesung
Strahlende Nachmittagssonne lag über Venedig, als der deutsche Konsul Friese mit dem jungen Marinemaler Gerlach am Bahnhofquai aus der Gondel stieg. Es war noch früh im Jahr, aber schon brachte des herrlichen Wetters wegen jeder Schnellzug die nordischen Reisenden in Scharen über die Alpen. Der Bahnhof dröhnte von Lärm, nicht von dem notwendigen, fast elementaren Getöse der großen Verkehrscentren, sondern von dem eigentümlichen, gewaltsamen Geräusch, womit die Venetianer instinktmäßig die sonst geisterhafte Stille ihrer nie von Wagen befahrenen Plätze und Gassen ausfüllen. Lohndiener und Hotelportiers lungerten streitend und gestikulierend umher, die Dampfschaluppen schrillten, und mit ihnen um die Wette pfiffen und schrieen die Gondoliere in ihren schlanken, auf dem grünen Wasser schaukelnden Fahrzeugen. Konsul Friese war in schlechter Laune, und der Lärm vermehrte seine Verstimmung. Er hatte rasch gespeist und sich in Eile erhoben, nur um jetzt zu hören, daß der Schnellzug von Verona dreißig Minuten Verspätung habe. Er sollte mit Gerlachs Hilfe einen kranken Neffen in Empfang nehmen, der von schwerem Leiden Heilung im Süden suchte. Aber Neffe hin, Neffe her, man ist doch selber auch ein Mensch, und es ist ein harter Spruch, ohne Mokka und Cigarre vom Tische aufzustehen, besonders für einen Junggesellen, der es mit der Pflege seiner Person ernst nimmt. Unter der Halle traf er