I
Mondhaus, Kunsthistoriker, schielte. Dieses Übel, das wie jedes Gebrechen ohne Zweifel einer Charakteranlage entsprach, machte ihn nicht nur unsympathisch, sondern erzeugte, wenn man mit ihm zu tun hatte, eine eigentümliche Verlegenheit. Mit Mondhaus war ein ehrliches Zwiegespräch nicht möglich, denn es schien, von seinem doppelten Blick zitiert, immer noch ein Dritter dabei zu sein. Sein geschwindes, ungetöntes Reden glich aufs Haar dem Zur-Seite-Sprechen des älteren Dramenstils. Im übrigen war Mondhaus Spezialist für ›Österreichisches Barock‹, worauf ich aber nicht schwören will. Er konnte ebenso Spezialist für ›Bäurische Glasmalerei‹ oder ›Alemannische Frühgotik‹ sein. Neben dieser wissenschaftlichen Tätigkeit verfaßte er unter dem Titel ›Italienische Briefe‹ für einige Zeitungen Artikel, wobei er aus Attentaten, Kunstausstellungen, politischen Meetings, Sportfesten, Sensations-Verbrechen, Opern-Premieren, Gesellschaftsskandalen, sozialen Stimmungsbildern, landschaftlichen Impressionen, noblen Bekanntschaften, aus den disparatesten Gewürzen also, eine scharfe Speise zu bereiten verstand. Er war die unüberwindliche Eingeweihtheit in Person. Ich kannte ihn seit langer Zeit. Wer kannte Mondhaus nicht? Es gab sogar Leute, die seine Aufsätze hochschätzten. An jenem Nachmittag aber schien er außer Rand und Band zu sein. Exzentrischer denn je stocherten seine Augen an Menschen und