III. Erstes Kapitel
Erstes Kapitel. Der Gang unserer Erzählung führt uns nach Ungarn, und Agnes von Stein, unsere frühere Bekannte, ist es, an deren Hand wir dieses wunderbare Land betreten. Ihr Vater war ihr schon dorthin vorausgeeilt, sie aber noch bei Freunden in Wien zurückgeblieben, um ihm, dem sorgsamsten aller Väter, Zeit zu gönnen, das Haus des neuangekauften Gutes zu ihrem Empfange herzurichten. Die Freunde, unter deren Schutz sie noch in Wien geweilt, waren Mitglieder einer höchst liebenswürdigen ungarischen Familie, deren nähere Bekanntschaft ihr Vater bei Gelegenheit des Gutsankaufs gemacht, denn eben sie waren die früheren Besitzer desselben. Solche Kauf- und Verkaufsverhältnisse sind besonders geeignet, Menschenkenntnisse zu sammeln, weil, wo es das Vermögen gilt, die meisten Menschen jede andere Rücksicht fallen lassen, der zu Liebe sie sonst die Schattenseiten ihres Characters zu verhüllen pflegen. Aus dieser Feuerprobe war aber die Familie Serenyi in ungetrübtem Glanze hervor gegangen, und Herr von Stein ließ mit Freuden sein Kind für einige Tage in ihrer Obhut. Herr von Serenyi, der Vater, hatte Herrn von Stein begleitet, und seine beiden jüngsten Kinder, August und Elisabeth, waren mit Agnes zusammen geblieben. August war ein Mann von ungefähr fünf und zwanzig Jahren und Advocat, Elisabeth wohl nur etwas älter als Agnes, die in ihr die erste Freundin fand. Die drei jungen Leute