Chapter

Die Verlobung

»Schach der Königin!« sagte Regierungsrat Forst zu seiner alten Freundin, der verwitweten Frau Gerda Heider, bei der er seit fast vierzig Jahren die Abende verbrachte. Forst war schon als junger Mann, als man Frau Heider noch die schöne Gerda Hold nannte, täglich in die Villa gekommen, die zur Maschinenfabrik Hold-Heider gehörte. Die Tochter des Hauses war seine erste und einzige Liebe gewesen; und damals hatte er sich sogar eine Zeitlang in der Hoffnung gewiegt, ihr Herz zu gewinnen. Aber für Gerda Hold war er immer nur einer von vielen. Als er einmal schüchtern um sie zu werben wagte, schnitt sie ihm mit ihrem reizenden, kühlen Lächeln das Wort ab: »Still, still, mein Lieber, reden Sie keinen Unsinn, sonst müßte ich Ihnen ja einen Korb geben, und das wäre schlimm für mich! Denn wie sollte ich mich ohne meinen getreuen Forst behelfen? Nein, Sie müssen mein Freund bleiben.« Forst empfand nicht die kalte Selbstsucht, die in ihren Worten lag. Er hörte nur, er solle ihr Freund bleiben, und er blieb es wirklich, auch als sie ein paar Jahre darauf den späteren Teilhaber ihres Vaters, Herrn Heider, geheiratet hatte – ohne Liebe. Denn eines solchen Gefühls war Gerda nur für sich selbst fähig. Immerhin war es eine ganz glückliche Ehe geworden. Gerda war eine gute Ehefrau, erhielt sich ihre Schönheit und die Liebe ihres Mannes bis an die Schwelle des Alters und wußte die Vorteile ihrer

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