Erstes Kapitel
An einem herrlichen Juliabend spazierte eine kleine Gesellschaft den breiten Weg entlang, der hinter der reizend gelegenen Stadt Thun in die Berge hinauf führt. Es waren drei Herren und zwei Damen. Ich kenne sie, sie sind meine Landsleute. Der Eine der Herren, den beiden Anderen an Jahren voraus und nicht leicht zu übersehen wegen seiner mächtigen Nase und den großen, klugen, zugleich gutmüthigen Augen, ist der Gerichtsrath Pfaff, ein Junggeselle, der sich zu Hause täglich an der Actenarbeit einige Stunden »die Beine verläuft«, seine Ferien aber zu weiteren Reiseausflügen zu benutzen pflegt, wohl der einzige Luxus, den er sich gönnt. Uebrigens reist er gern »mit Familie«, das heißt mit einem jungen »Collegen«, für den er die Kosten aus seiner Tasche bestreitet. Diesmal scheint er außer dem Referendar Hell, dem schlanken jungen Manne mit dem blonden Bärtchen und der Brille, auch dessen jüngeren Bruder, den Philologen, auf seine Rechnung genommen zu haben. Die beiden Damen gehören also eigentlich nicht »zur Familie«; sie sind nur »unterwegs angetroffen«, übrigens aber nicht nur Bekannte, sondern entfernte Verwandte des Raths. Der verstorbene Mann der älteren, ganz in Schwarz gekleideten Dame, Oberstlieutenant von der Wehr, war sein Vetter in irgend einem Grade, den näher festzustellen schwerlich der Mühe lohnt, und das sehr junge, hochaufgeschossene Fräulein mit dem langen,