Chapter

Gebändigt!

Der Wind fuhr über die Adlerberge, reinigte sich über den immergrünen Hängen des Gebirges, blies über die Hügel an dessen Fuße und die meilenweiten Felder, bis er endlich dem Hengst einen Hauch von Kühle und den bezaubernden Geruch der Ferne brachte. Gerade als er seinen Kopf hob und die Brise in Schweif und Mähne spielte, hielt Marianne Jordan ihr Pony an und tat entzückt einen tiefen Atemzug. Denn sie hatte die vollendete Rasse des Fuchshengstes auf der Koppel vor ihr sofort erkannt, und ihre scharfen Augen zeigten ihr sogleich die arabische Abstammung des Pferdes, an die sie wie an das Evangelium glaubte. Der Scheik spricht: »Ich habe meine Stute aufgezogen, seit sie ein Fohlen war; aus Liebe zu mir würde sie ihr Leben lassen. Aber wenn ich am Morgen zu ihr trete, wenn ich ihr Futter und Wasser gebe, so blickt sie über mich hinweg, hinaus in die Wüste. Sie wartet auf den einen, sie wartet auf ihren wahren Herrn und Meister, der aus der Weite erscheinen wird!« Marianne hatte Vollblüter seit ihrer Kindheit gekannt; nachdem sie in den Westen zurückgekommen, war sie mit »Pferdefleisch« ganz und gar vertraut geworden, doch heute fühlte sie zum ersten Male, daß das Pferd von der Natur nicht zum Diener des Menschen bestimmt ist, daß seine Schnelligkeit ihm seine heilige Freiheit sichern soll. Einen Augenblick später aber wunderte sie sich, wie sie auf solche Gedanken gekommen war.

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