Prolog
»Schon wieder von Liebe und ewig von Liebe!« Ja wohl! was wär' auch unterm Mond Wohl mehr der Rede werth als Liebe? Und unterm Mond und überm Mond Was anders ist's als Liebe und Liebe Was überall athmet, wirkt und webt, Und alles bildet, alles belebt? Ihr Weisen sagt, was sonst als Liebe Ist dieser schöne Zusammenklang Der Wesen? Dieser allmächtige Drang Der Gleich an Gleiches drückt? Wie bliebe Ein Sonnenstäubchen ohne Liebe Beym andern? – Auch die Macht der Kunst, Des Bildners Finger, die höchste Gunst Der Musen, was sind sie ohne Liebe? Mit Liebe sang Homer, mit Liebe Schuf Raffael seine Galathee. Du selbst, o Tugend, du höchste Höh' Der Menschenseele, was bist du als Liebe, Du Gott in uns? – Doch stille, Gesang! Verletze nicht das heilige Schweigen! Wohl uns, so viele von uns das Schauen Von diesem Geheimniß empfangen haben! Wohl uns! Uns leuchtet allein die Sonne, Uns scheint das herzerfreuende Licht; Wir leben das wahre Leben: athmen In reinen Lüften mit freyer Brust, Und sehen was ist mit unbefangnen Augen, und hören Götterstimmen, Und durch die tiefe Nacht der Wesen Den Schwung der alles bewegenden Räder, Und fürchten nichts! und schwimmen und wälzen Durch Stille und Sturm uns, immer getroster, Die ewigen Wege der Zeit hinab – Nichts mehr! Ich schweige! – da wackeln Ohren Die nichts verstehn – Nun, wieder dahin Zu kommen, wovon wir uns verloren –Brüder und Schwestern,