Erster Theil. Erstes Kapitel.
Es gibt keine Frauen mehr! nein, mein lieber Graf, es gibt keine Frauen mehr,« rief schmerzvoll die Marquise von Fontenoy-Mareuil, indem sie sich zu dem Grafen Rhinville wendete, der neben ihr im Wagen saß. Der Graf seufzte, schien aber keineswegs aufgelegt zu sein, eine Behauptung, die im ersten Augenblicke fremdartig und gewagt erscheinen konnte, zu bezweifeln oder zu bestreiten. Da die Marquise keinen Widerspruch fand, so sah sie sich genöthigt, dem Vergnügen einer weiteren Erörterung zu entsagen. Der Graf, seit langer Zeit Vertrauter ihrer Gedanken, war entweder überwunden, ober fürchtete, es zu werden, er antwortete nicht und zeigte auch nicht einmal Ueberraschung, als die Marquise obige Behauptung aufstellte, die freilich zu oft in ihren Gesprächen vorkam, als daß er nicht hätte daran gewöhnt sein sollen. So saßen sie denn schweigend neben einander, während der Wagen rasch dahin rollte, sie hatten einander wenig zu sagen,'denn in dem Wen Alter Beider fallen die Worte langsam, trübselig und sparsam. In der Jugend theilt man einander seine Gedanken und Gefühle weit schneller mit da folgen die Ausdrücke und die Sätze lebhaft und zusammenhängend, man offenbart, oder läßt erathen, die Gedanken, Pläne, Hoffnungen, die Schmerzen und die Freuden des Daseins. Man spricht oft, ohne es zu wissen, zu gleicher Zeit; man hat einander so viel zu sagen! Zwei Greise dagegen würden fast