Erstes Kapitel
Georg hatte sich, wie schon gesagt, sehr gefreut, seinen Freund nicht daheim zu treffen, als er von seiner Waldpromenade zurückkehrte. Es war das erste Mal, daß er sich nicht nach Mittheilung sehnte, ja daß ihm zu Muthe war, als habe das Leben ihm ein Geheimniß anvertraut, das nur Einer bewahren, ein Räthsel, das nur Einer lösen dürfe, das nicht die Berührung einer andern Hand als der seinen, nicht der Blick eines andern Auges, als den des seinigen vertragen konnte, ohne den Zauber des Glückes einzubüßen. Er wußte eigentlich gar nicht, wie ihm zu Muthe war, aber er forschte auch nicht darnach. Ob des Mädchens Schönheit so berauschend auf ihn gewirkt, ob ihr unbefangenes, offenes Wesen, ob der Wechsel von kindlicher Anmuth und kindischem Trotz, von warmem Gefühl und schroffer Härte sie so interessant gemacht, ob ihr trauriges Schicksal sein Mitgefühl erregt, oder ob gar ihr Name und die sich an denselben knüpfenden Vermuthungen seine Theilnahme und Wißbegier erregt hatten, was fragte er darnach, was ging ihn das Alles an! Er dachte an keine Einzelnheit der heutigen Begegnung, es war nicht dieser und nicht jener Zug, der ihn beschäftigte, ja, er würde es vielleicht eben so schwer gefunden haben, sich oder Anderen ein zusammenhängendes Bild des kleinen Erlebnisses zu entwerfen, als es schwer ist, die Eindrücke eines Traumes zu motiviren. Er hatte sich an das offene Fenster