Dreizehntes Capitel
Der Schlaf breitete noch seine schützenden Flügel über das kleine Haus im Walde, hielt noch die Augen der Bewohner desselben geschlossen, als Arnold mit dem anbrechenden Morgen dorthin zurückkehrte, ruheloser in seinem Innern, gebeugter als da er es verlassen. Eine neue Last hatte sich zu der gesellt, die abzuschütteln er hinausgeeilt war in Nacht und Einsamkeit; der schmerzende Stachel, den die Erinnerung an seine Jugend, an sein Vaterhaus in seine Seele gesenkt, war schärfer geworden, denn abermals lag ein Leid, eine Schuld vor ihm, zu dem die Härte der Mutter den Keim gelegt hatte, deren Ursprung er auf sie zurückführen und sie auf's Neue wider alle Gebühr und alle Natur vor den Richterstuhl seines Herzens ziehen mußte. Sie war schuld an seinen unkindlichen Gefühlen, um derentwillen er jetzt in seinem zerstörten häuslichen Glück die Strafe empfing, sie war schuld an Elisabeth's zerbrochenem Charakter, der eben so wenig die Kraft gehabt, das ihr von der Mutter gebotene Schicksal zurückzuweisen, als er jetzt die Energie besessen, den lockenden Versuchungen der Sünde zu widerstehen. O wie schmerzte, wie demüthigte ihn die Schwäche der Schwester, wie verurtheilte, wie beklagte er sie, wie engelrein stand das Bild seiner Anna vor ihm, die an demselben tiefen Zwiespalt ihre Seele lieber schweigend verbluten ließ, als daß sie auch nur einen Augenblick das Glück mit einer Schuld