Auf der Britannia
Die Nacht lag über dem Bottnischen Meer. Die Nacht, die Freundin der Schatten, war voller gespenstischer Wolken; sie jagten einander wie fliehende Heeresmassen über einen zerrissenen Himmel; das Wasser unter ihnen war schwarz wie der Styx, und über den tosenden Wogen steuerte die Brigg »Britannia« gen Westen. Kein Lampenschein sickerte aus ihren Kajütenfenstern; kein Lichtschimmer fiel auf ihren Kompaß; keine Hecklaterne warnte die Schiffe, die möglicherweise ihren Weg kreuzten. Über ein Wasser, schwarz wie der Styx, segelte die »Britannia« gen Westen, gesteuert von Schatten. Es war eine eisige Aprilnacht, und in der Luft lag Schnee. Das Deck der »Britannia« war glatt wie eine Rutschbahn, die Maste und Taue mit Eis überzogen. Das Wasser, das über die Reeling spritzte, war bitterkalt, bitterkalt der Wind, der durch die Takelage pfiff; die Luft über ganz Europa wehte bitterkalt wie der Tod … Es war im April 1916. Die Wolken, die spukhaft über die »Britannia« jagten, hätten ebensogut Brigaden von wirklichen Gespenstern sein können. – Der lange Friede war vorbei, Brigade nach Brigade von lebendigen jungen Menschen waren seit anderthalb Jahren in den Tod gejagt worden – Europa war ein einziges großes Schlachtfeld – ein einziges großes Irrenhaus. Aber an Bord der »Britannia« war nicht alles so kalt und dunkel, wie es schien. Die Kajüte war wohlig durchwärmt, sie enthielt eine feste