Erstes Kapitel
Wer von den Lesern kennt die Kurische Nehrung? Vor fünfzig Jahren, als man in Deutschland noch von den Eisenbahnen nichts wußte, die jetzt das weite Land mit ihren Netzen überspannen und selbst nach den fernsten Grenzen ihre Doppelfäden ausstrecken, als man in Ostpreußen selbst die Chausseen nur vom Hörensagen kannte, führte die große Poststraße, welche hauptsächlich den Personen- und Güterverkehr mit Riga und Petersburg vermittelte, über die Kurische Nehrung. Königsberg und Memel waren die Hauptstationsorte dieser belebten und doch so einsamen Straße. Jetzt sind die alten Wagengleise längst vom Flugsand verweht, die struppigen Weidenstämme, welche zu beiden Seiten den Weg über die Sandberge hin bezeichneten, bis auf geringe Reste ausgestorben und begraben. Kurze Strecken ausgenommen, deren festerer Untergrund bleibendere Eindrücke gestattet, muß jeder folgende Wanderer sich einen neuen Pfad, an der Schälung der See entlang oder durch den tiefen und losen Sand der Dünen, nach dem Haffufer hinüber suchen. Aber selten genug sehen die Bewohner der wenigen Ortschaften, welche in meilenweiten Entfernungen voneinander anzutreffen sind, einen Gast, es müßte sich denn einmal ein wißbegieriger Tourist den Strapazen einer so wenig erquicklichen Strandreise aussetzen, um etwa seine geologischen Studien zu vervollständigen, wozu diese eigenartige Wüstenei allerdings reiches Material gibt.