Lili im Forsthaus
Die kleine Lili war das einzige Kind eines reichen Kaufmanns. An demselben Tag, an dem sie auf die Welt kam, starb ihre Mutter. Tief betrübt stand Herr Palmer an der Wiege seines mutterlosen Kindchens; wer sollte nun für das zarte Wesen sorgen? Lilis Mutter war eine Engländerin gewesen und ihre Verwandten waren alle weit fort in England. Herr Palmer selbst hatte keine Verwandten, die sich des Kindes hätten annehmen können. Da erinnerte er sich an eine alte, treue Freundin des Hauses, die ihn selbst schon in seiner Jugend unterrichtet hatte, er schrieb an sie und bat sie, für sein Kind zu sorgen. Fräulein von Rosen erklärte sich bereit und kam nun ins Haus, um neben dem Kindsmädchen für die Kleine zu sorgen. Lili war ein sehr zartes Töchterchen, und Fräulein von Rosen pflegte sie mit ängstlicher Sorgfalt. Sie ließ das Kind nie außer Augen, aus Furcht es möchte ihm etwas geschehen. Sie vertraute es auch nie den Dienstmädchen an, welche die liebliche Kleine oft gerne mitgenommen hätten, wenn sie Ausgänge machten. Als Lili heranwuchs, wurde sie sorgfältig vor dem Umgang mit anderen Kindern gehütet, denn das Fräulein fürchtete, daß Lili von diesen etwas Unfeines lernen möchte. An der Hand ihres Fräuleins durfte sie manchmal einen kleinen Spaziergang machen; wenn sie aber, wie andere Kinder, fröhlich herumspringen wollte, so rief das Fräulein sie streng zurück und sagte ihr, das