Chapter

I.

Der Hauptmann Georg Gisbert ahnte an diesem Berliner Märzabend nicht, daß in einer halben Stunde für ihn die schicksalsschwerste Wendung seines Lebens beginnen würde. Er stand in seiner reichen Wohnung in der Meinekestraße draußen im Westen nahe dem Kurfürstendamm, in Waffenrock und Epauletten, zur Gesellschaft fertig, knöpfte sich die weißen Handschuhe zu, sah auf die Uhr und rief dann in das Nebenzimmer: »Otti–i! ... Ott–i! ... Ott–i!« Das klang mahnend wie zwei gleichmäßige Glockenschläge. Durch die halboffene Türe antwortete es: »Ja doch! Gleich ...« »Otti – wir kommen zu spät!« »Nur noch eine Sekunde!« Ja – die Sekunde! Der Hauptmann Gisbert seufzte, ging im Zimmer hin und her, blieb wieder stehen und prüfte sich im Spiegel, ob er wenigstens gefechtbereit sei. Das Glas warf ihm sein Bild zurück, eine straffe preußische Offiziersgestalt, einen energischen schnurrbärtigen Kopf, dessen gesunde Luftbräunung unter dem Stubenhocken noch nicht gelitten hatte. Denn er war erst seit kurzem aus seinem Provinzregiment zur Dienstleistung beim Kolonialamt nach Berlin kommandiert worden. »Ottilie!« Wenn er »Ottilie« statt »Otti« sagte, wurde er energisch. »Ottilie! Ich werde jetzt einfach an Muthardts telefonieren, wir kämen überhaupt nicht mehr! Du würdest mit deinem Krimskrams heute abend nicht mehr fertig!« ... Er war jetzt entschlossen, selber hineinzugehen, um dem Mädchen beim

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