Kapitel I
Wo sind meine Geschwister?« Der junge Hase, der im Dickicht unter Farnwedeln neben seiner Mutter saß, hatte das plötzlich gefragt. Er war so klein wie ein Klümpchen Erde des Waldbodens. Er glich einem Flöckchen Wolle, doch er schien fast noch zarter als der zarteste Flaum, schier hauchartig. Er sah ganz nebelgrau aus; sein Fell hatte jenes feine Farbengemenge, das man Pfeffer und Salz nennt. Er war eigentlich so wesenlos und dabei doch so wunderbar wie der erste blasse Schimmer des frühen Morgens, der soeben herandämmerte. Auf seiner Stirn stand der weiße Stern, das Zeichen seiner Kindheit. »Wo sind meine Geschwister?« fragte er noch einmal. Sie waren ihm gerade jetzt eingefallen. Er wußte nicht, wie, und er dachte auch nicht weiter darüber nach. Er war gewohnt zu fragen, und so fragte er. Die Mutter schwieg. Eine große, stattliche Häsin, saß sie völlig in sich verkauert, hatte einen schwarzen Streifen, der sich den Rücken entlang über das erdbraune Fell hinzog, hatte kleine schwarze Streifen am Bug der Löffel. Und ihre mächtigen weißen Schnurrhaare befanden sich jetzt in unaufhörlicher, leiser Bewegung. Es blieb unwahrscheinlich, daß der winzige Junge neben ihr jemals so gewaltig werden könnte wie sie. »Mir ist doch«, fing er wieder an, »mir ist doch, als seien viele Geschwister dagewesen ...« Als keine Antwort kam, redete er weiter: »Brüder und Schwestern waren bei mir ...