Frédéric und Bernerette
In den letzten Jahren der Restaurationszeit kam ein junger Mann namens Frédéric Hombert von Besançon nach Paris, um Jura zu studieren. Seine Familie war nicht reich und gab ihm nur eine bescheidene Unterstützung. Aber da er mit Ordnung zu leben verstand, kam er auch mit wenigem aus. Er mietete sich im Quartier Latin ein, um dem Kolleg ohne Zeitverlust folgen zu können. Es gefiel ihm, häuslich und zurückgezogen zu leben, und er besuchte kaum die Promenaden, Plätze und Sehenswürdigkeiten, die in Paris von den Fremden bevölkert sind. Die Gesellschaft einiger junger Leute, mit denen er sich bald in der Universität angefreundet hatte, und einige Familien, die ihn auf Empfehlungsbriefe hin empfingen, waren seine einzige Zerstreuung. Mit den Eltern unterhielt er regelmäßigen Briefwechsel und berichtete ihnen treulich über den jeweiligen Ausgang seiner Examina. Nach drei Jahren angestrengter Arbeit war er endlich so weit, daß er seiner Zulassung als Rechtsanwalt entgegensah. Er brauchte nur noch seine Dissertation zu begründen und hatte schon den Zeitpunkt seiner Rückkehr nach Besançon bestimmt, als ihn ein unvorhergesehenes Ereignis um die Ruhe brachte. Er wohnte im dritten Stock eines Hauses der Rue de la Harpe und hatte auf dem Fensterbrett Blumen, die er sorglich versah. Als er sie eines Morgens begoß, bemerkte er an dem Fenster gegenüber ein junges Mädchen, das ihm zulächelte. Sie