I.
Er war noch ein kleiner Knabe und hieß Thiebald. Seine Mutter aber nannte ihn Balder. Einst im Frühling entdeckte er in dem Stachelbeergebüsch des Gärtchens hinter dem Hause ein Nest. Es war gegen Abend, als er diesen Fund machte. Das Herz schlug ihm vernehmbar vor Freude und Bewunderung; denn es war ein schöner Anblick, wie sich vier Köpfchen ihm entgegenreckten und gleich wieder enttäuscht zurückzogen, weil sie Mutter und Vater und nicht ihn erwartet hatten. Da kamen diese geflogen, brachten jedes etwas im Schnabel und atzten ihre Jungen damit. Das sah er alles. Er legte sich ausgestreckt ins Gras auf den Bauch, stützte sich auf beide Arme, um alles genau zu beobachten. Die Alten sahen ihn wohl ein bißchen verwundert an, doch scheuten sie sich nicht im mindesten vor ihm, weil er ein so gutes Gesicht hatte, und seine Äuglein wie zwei blaue Sterne glänzten. Dann als das Abendessen der Kleinen beendigt war, schlüpfte die Mutter ins Nest, deckte sie mit ihren Fittichen, aber nicht so gänzlich, daß nicht eines oder das andere noch sein Köpfchen hervorreckte und Balder neugierig musterte. Aber der Vater war auf einen nahen Ast geflogen und sang noch eine Abendweise. Balder vergaß alles in der Welt und dünkte sich wie in ein wunderbares Land versetzt, wo die Tiere sprechen konnten. Denn der Grünling auf dem Aste sang vernehmlich: Balder, Balder, die Welt ist schön, freu' dich mit