I
An einem duftigen Frühlingstage, der sich schon dem Sommer zuneigte, führte der neue Gutsherr seine Familie auf dem eben angekauften Gut Vogelnest ein. Vogelnest war das lieblichste Fleckchen der fruchtbaren Gegend; klein an Ausdehnung, aber reich an malerischer Schönheit und wirthschaftlichem Werth. In einem Hain schwer belaubter Linden lag das zierliche Wohnhaus mit behaglichem Vorbau, an dem sich die Bäume trennten wie ein mächtiges Thor, den Blick weit hinaus führend über sprudelnde Bäche und üppig grüne Wiesen, bis der dunkle Wald, ein voller Kranz, das Ganze abschloß. Vogelnest war mit einigem Angeld gekauft, aber der frische Mann, in der vollen Kraft des Lebens, zweifelte nicht daran, die Sache durchzuführen. Schon Manches hatte er dem Schicksal abgerungen, woran Schwächere erlahmt waren. Siegesgewiß ging er in den Kampf. Es war ein schöner Mann, frisch von Gemüth und frisch von Angesicht, dessen Blick Einen wohlthätig und glückverheißend traf. Seine Tochter, ihm verwandt, wie der Zweig dem Stamm, sprang eben übermüthig vom hochaufgethürmten Wagen. »O, wie ist es köstlich hier!« rief sie wonnetrunken dem Knaben zu, der sie empfing, »hier scheint die Welt ein einziger großer Blumenstrauß!« »'s ist Sommer jetzt,« antwortete der bedenklich; »warte nur, wenn der Winter kommt,« und sein feines, ernstes Gesicht stach recht ab gegen ihre sorglose Kindermiene. Der Wagen schien