Erstes Kapitel
Eine Hochzeit bei Véfour. »Madame Chèbe!« »Nun, lieber Freund?« »Ich bin so glücklich!« Es war wenigstens das zwanzigste Mal an diesem Tage, daß der wackere Risler versicherte, glücklich zu sein, und er that es immer mit demselben Ausdruck stiller Rührung, derselben schleppenden, dumpfen, von innerer Bewegung erstickten Stimme, die, um der Gefahr eines plötzlichen Aufschluchzens zu entgehen, nicht laut zu werden wagt. Risler hätte aber für nichts in der Welt in diesem Augenblicke weinen mögen. Wie unpassend für einen Bräutigam, sich inmitten des Hochzeitsmahles der Rührung hinzugeben! - und doch war er nahe daran. - Sein Glück drohte ihn zu ersticken, schnürte ihm die Kehle zusammen und machte ihm das Sprechen unmöglich. Das einzige, was er thun konnte, war, von Zeit zu Zeit mit bebenden Lippen vor sich hinzumurmeln: »Ich bin so glücklich... so glücklich!« Er hatte wirklich alle Ursache dazu! Seit diesem Morgen fühlte sich der gute Mann wie von einem jener herrlichen Träume umfangen, aus denen man plötzlich mit geblendeten Augen zu erwachen fürchtet; der seinige schien jedoch kein Ende haben zu sollen, denn früh um fünf Uhr hatte er begonnen, und jetzt, um zehn Uhr abends - Punkt zehn, nach Véfours großer Uhr - dauerte er noch immer fort. Wie viel hatte Risler an diesem Tage erlebt, und wie deutlich standen ihm die geringsten Einzelheiten vor Augen. Er sah sich selbst im