Nachtfest
In dem großen, strahlenden Saale mit seinem frischen Blumen- und Girlandenschmuck, seinen goldverzierten weißen Wänden und dem spiegelglatten Boden, der den Glanz von tausend Glühlampen zurückwirft, feiern sie heute Nacht ein Fest. Die Musiker auf der hohen Estrade stimmen ihre Instrumente. Ein flimmerndes Geräusch von Tönen, Baßgeigenstriche, Saitenzupfen – plimm – plom – plum –. Noch hat das Fest nicht begonnen. Alles ist voll Erwartung, voll verhaltener Freude. Die jungen Mädchen mit frischen duftenden Blumen im Haar wandeln paarweise auf und nieder und flüstern und lachen. Die Herren bilden Gruppen in der Mitte und mustern die Gäste. Und hin und wieder schlendern sie hinaus in den Park, wo zwischen alten Bäumen die langen bunten Perlenschnüre der Lampions herabhängen und im lauen Winde auf- und niederschaukeln. Ich stehe allein droben auf der Galerie des Saales und blicke zwischen den großen Säulen aus rotem Porphyr hinab. Von den plaudernden Paaren da unten schweift mein Auge zu dem großen Freskobilde an der Hinterwand des Saales. Es stellt einen Maientanz unter der Dorflinde dar. Junge Dirnen mit Blumenkränzen im Haare führen mit den Burschen einen Reigen auf. Der alte bucklige Spielmann streicht die Fiedel, die Alten sitzen hinter den Weinhumpen und sehen zu, und der alte Krüppel dort rückwärts zählt seine Almosen. Rechts vorne hält sich ein liebendes Paar umschlungen,