Chapter

Erstes Kapitel

Bei dem Dorfe Fleury, östlich von Rouen, sucht von Norden her in den stolzen, den königlichen Seinestrom eines schönflutigen Wildbachs rasche Welle ihren Weg. Hastig, unberechenbar schießt sie dahin, launenhaft die Richtung wechselnd, wie in neckischem Spiel. Aber, fühlt sich die ungestüme Kraft stark genug, wandelt sie plötzlich das Spiel in drohenden Ernst: bösartig zerreißt sie jeden Widerstand auf ihrer Bahn, verschlingt sie alles Leben; »die Furieuse« heißt sie jetzt, »die Wut-Ach« nannten sie die Franken. Nah ihrer Mündung in die hier nach Westen biegende Seine erhebt sich auf dem linken Ufer jener kleinen Wildflut ein mäßiger Hügel; er trug damals das stattliche Herrenhaus, zu welchem die Ländereien weithin gehörten. Am Fuße des Abhangs lagen ein paar ärmliche Lehmhütten, der Unfreien traurige Heimstätten. Es war ein heißer Sommernachmittag; weißgrau Gewölk zog langsam an dem dunstigen Himmel nach Nordwesten, stromabwärts, dem Meere zu. Drüben, auf dem rechten Ufer des Flüßchens, wo steilere Hebungen ansteigen, kletterten verstreut etliche Ziegen, aus kargem Sandboden salzige Halme rupfend. Da kam aus dem dichten Walde, der hier, auf diesem rechten Ufer, den Höhenzug krönte, ein Knabe von etwa sechzehn Jahren. Den dunklen Jägerhut zierten ihm die bunten Federn des Grauspechts; Bogen und Pfeilköcher trug er auf dem Rücken; aber die netzgestrickte Jagdtasche an seiner

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