Erste Geschichte
Im Wartesalon der ersten Eisenbahnklasse saß eine kleine exclusive Gesellschaft, die Eltern, Verwandten und Freunde der beiden Neuvermählten, die heute im Begriff standen, mit dem nächsten Zug die übliche Hochzeitsreise nach der Schweiz und Italien anzutreten. Der junge Ehemann, Baron Ottmar von Bohlen, eine aristokratisch-elegante Erscheinung in den dreißiger Jahren, mit interessanten, nur etwas verlebten Gesichtszügen, geistvollen, dunkeln Augen, schwarzem Bart und sorgfältig gescheitelten, hier und da ein wenig gelichteten Haaren, konnte eine leichte Abspannung und Ungeduld nicht ganz unterdrücken, da er gerade kein besonderer Freund von derartig rührenden Familienszenen war. Obgleich sichtlich bemüht und auch gewohnt, seine Mienen und Gedanken zu beherrschen, verrieten die flüchtigen Wolken auf der hohen, glänzenden Stirn und das gezwungene Lächeln des fein geschnittenen Mundes, daß er sich in seiner neuen Lage keineswegs behaglich fühlte, wie dies nicht selten bei älteren Junggesellen der Fall zu sein pflegt, wenn sie erst kurze Zeit verheiratet sind und bis dahin ihre Freiheit im vollsten Maß genossen haben. Auch die Mutter der Braut, die Geheimrätin Pauli, eine stattliche Dame mit auffallend bleichen Gesicht, überließ sich nur zu sehr dem natürlichen Schmerz und der verzeihlichen Sorge mit die scheidende Tochter, von der sie sich nur mit schwerem Herzen losriß. Die