Chapter

Frau von Hanka

Im hinschwebenden Lichte eines warmen Vorfrühlingstages begegnete Frau Julius von Hanka auf der Treppe ihres Wannsee-Hauses unversehens Nikola Keyserling, dem Verwalter ihres Landgutes. Sie hielt die Zwillinge, die mit dem Eifer des Anfängertums zur Schule hasteten, nur mit Mühe und mit lachenden Ermahnungen zurück, indem sie diese kleinen, kaum geformten Menschenpfötchen mit ihren gereiften Händen fest umschloß. Hierbei mußte sie den Kopf im Nacken zurückbiegen, denn der fest in die Stirn gedrückte Reithut warf einen Schatten auf ihr Gesicht und behinderte ihren Blick. Sobald sie Nikola Keyserling erkannt hatte, streckte sie die Hände der Kinder in die Luft, um sie dort beifallklatschend zusammenklingen zu lassen. So winkte sie ihm ihr Willkommen zu, mit einem froh überraschten Blick ihrer negerhaft dunklen Augen und mit jener spielerischen, heiteren und schmeichelnden Demut, mit der Frau von Hanka bisweilen ihre Freunde zu begrüßen pflegte. Nikola Keyserling küßte die Fingerspitzen der Zwillinge in diesen mütterlich schützenden Händen. Das überschmale Gesicht schief zur Schulter hingeneigt, so sprach er mit der lächelnden Wehmut eines einsam alternden Mannes zu den Kindern dieser Mutter, an die unmittelbar das Wort zu richten er jetzt zu schüchtern und zu befangen war. Nun wollte Frau von Hanka den Eifer der Zwillinge auch nicht länger dämpfen, und sie entließ die Kinder mit

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