Widmung
Hermann Sudermann Frau Sorge Roman Meinen Eltern Zum 16. November 1887 Frau Sorge, die graue, verschleierte Frau, Herzliebe Eltern, Ihr kennt sie genau, Sie ist ja heute vor dreißig Jahren Mit Euch in die Fremde hinausgefahren, Da der triefende Novembertag Schweratmend auf nebliger Heide lag Und der Wind in den Weidenzweigen Euch pfiff den Hochzeitsreigen. – Als Ihr nach langen, bangen Stunden Im Litauerwalde ein Nest gefunden Und zagend standet an öder Schwelle, Da war auch Frau Sorge schon wieder zur Stelle Und breitete segnend die Arme aus Und segnete Euch und Euer Haus Und segnete die, so in den Tiefen Annoch den Schlaf des Nichtseins schliefen. Es rann die Zeit. – Die morsche Wiege, Die jetzt im Dunkel unter der Stiege Sich freut der langverdienten Rast, Sah viermal einen neuen Gast. Dann, wenn die Abendglut verblichen, Kam aus dem Winkel ein Schatten geschlichen Und wuchs empor und wankte stumm Erhobenen Arms um die Wiege herum. Was Euch Frau Sorge da versprach, Das Leben hat es allgemach In Seufzen und Weinen, in Not und Plage, Im Mühsal trüber Werkeltage, Im Jammer manch' durchwachter Nacht Ach! so getreulich wahrgemacht. Ihr wurdet derweilen alt und grau. Und immer noch schleicht die verschleierte Frau Mit starrem Aug' und segnenden Händen Zwischen des Hauses armen vier Wänden, Vom duftigen Tische zum leeren Schrein, Von Schwelle zu Schwelle aus und ein, Und kauert am