Erstes Kapitel
Die Sitte, an jedem ersten Sonntag im Monat zu der alten Frau von Beer zu Tisch zu kommen, hatte noch der Vater eingeführt. Die drei Kinder hatten sie nach dem Tode des Majors beibehalten, denn die alte Dame empfand rührende Freude darüber, und außerdem kam ihnen allen, wenn auch vielleicht nicht ganz klar, zum Bewußtsein, daß diese traditionellen Sonntage sie zusammenhielten. Ihre Wege wären sonst noch weiter auseinander gegangen. Selbst die alte Dame machte sich manchmal Gedanken darüber, wie verschieden ihre Kinder waren, und sie begriff das nicht. Sie mußte sich dann mit dem alten Fräulein von Wernheimb, das nun immer mehr von ihrer Stellung als Gesellschafterin zu der einer Freundin hinaufrückte, aussprechen. Fräulein von Wernheimb fand die Unterschiede durchaus nicht so groß, und das war recht beruhigend. Freilich, Lori lebte ihr eigenes Leben, und Hasso war vielleicht sogar ein Sonderling. Aber Günther, der hatte Ähnlichkeit mit dem alten Herrn von Beer. Es war anzunehmen, daß er ein gutes Bindeglied gab. Der erste Sonntag im Mai war warm und sonnig. Es war so wunderschön draußen, daß selbst die Zimmer goldenes Licht bekamen. Die alte Frau von Beer saß in ihrem gewohnten Korbstuhl am Fenster, die Hände im Schoß und lächelnd und verträumt wie immer in ihrer Vorfreude. Am anderen Fenster stand Fräulein von Wernheimb ein bißchen aufgeregt und erwartungsvoll. Sie schaute