Chapter

I Beim Kiwi

Da liegt ein engbrüstiges Häuschen mit knallrotem Dach inmitten der weiten Niederung, und die tiefhängenden Ziegelpfannen berühren fast den umgeackerten Boden, der sich hier wellenartig von der grasigen Fläche aufhebt. Stocksteife Malven recken sich am niedrigen Giebel. Eine Kappweide mit dichtem Pfriemenschopf, in welchem ein Elstervogel sich angebaut hat, steht seitwärts der ärmlichen Kat und sieht von hier über die vorliegende Deichkrone bis weit in das niederrheinische Land fort. Weiter zur Rechten, aber noch diesseits des Deiches, erhebt sich ein stattlicher Häuserkomplex, den sie im Volke den ›Fingerhutshof‹ nennen, und zwar der auffallenden Giftblumen halber, die hier häufiger denn sonstwo ihre glockenförmigen, leuchtenden Korallen in heißen Sommertagen entfalten. Mehr dem Binnenland zu zeigt sich die markante Profilierung eines massigen Kirchturms. Aus blaugrünen Pappelkronen ragt er empor, steif, ohne jede Architektur – eintönig wie seine ganze Umgebung. Grelle Sonnenreflexe liegen auf dem Schieferhelm. Schwarze Punkte schweben dort auf und nieder. Es sind Dohlen, die Helm und Ziegelviereck umkreisen. Der Turm scheint sein Mittagsschläfchen zu halten; es ist so, als wenn er mit seinen Schallöchern über die Pappeln hinausgähnte. – Ein Flimmern und Zittern, eine öde Langeweile ging über die Landschaft. Die Gräser bewegten sich nicht, die Kühe lagen wiederkäuend umher,

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