Geburt und Aufwachsen
Einhundertundein nebelschauernde Herbste waren im Gehirn des urgreisen Moschul Dumitru Calota vermerkt, des ältesten Hirten im Bergrunde, der es am besten wußte, wie es einst gewesen und wie es dann hereingebrochen war über den Frieden des Schiltales. Der Retesatgebirgsstumpf und die Mandrakeilspitze behüteten zwischen sich den Jahrmillionenschatz der schwarzen Diamanten im tiefgefalteten Schoß, und nichts in diesem lieblichen, von himmelhohen Buchenbergen umschlossenen Erdenwinkel, dem Wiegenbett der einander angetrauten Quellflüsse, konnte noch verraten, welch ungeheure Licht- und Kraftquellen der Erschließung entgegentrauerten. Sanfte Talweiden, dünnbewachsene Einödhöfe, eine blaue Rauchsäule, eine Bohlenkirche auf bescheidener Anhöhe, Schafgeblök, verlassenes Viehgeglocke, hie und da ein Hundeboll, ein juchender Hirtenruf – so sah das damals von weitem aus, so hörte sich das von den überragenden Höhen an, so kannte es der Bär, so schätzte er es ein. Wenn die verfemelte Buche streute, wenn der scharfe Nord die müden Bäume abblätterte, wenn mit Spinnglastfäden silbrig besteppte Wiesen sich in dicken Reifhauch kleideten, wenn um die ragenden Gipfel die Stöbernebel hetzten und die armen zerstreuten Einödhöfe sich nach langer, sommerlicher Vereinsamung wieder mit Viehgestampf belebten, dann nahm auch der Bär, der Herr der Urwälder, hatte er es des körnigen Maises wegen nicht