I.
»Soll ich euch eine Geschichte aus meiner Jugend erzählen?« fragte die lustige, weißhaarige Tante. »Gewiß, gewiß!« »Sie kann aber lang werden.« »Desto besser!« »So lang, daß ich nach einiger Zeit erschöpft sagen muß: Fortsetzung folgt.« »Dann versammeln wir uns morgen um dieselbe Stunde bei dir und lauschen deiner Erzählung weiter!« »Ihr seid wie die kleinen Kinder, ihr erwachsenes Volk! Immer noch so gierig auf mein »Es war einmal« wie vor so vielen Jahren, wo ich euch die alten Märchen von Aschenbrödel und Dornröschen erzählte ... Gute Menschen bleiben doch immer Kinder ...« »Wovon du ein lebendes Beispiel bist, Tantchen; wenn es gilt, närrisch und toll sein –« »Respekt bitte ich mir aus! Ich lasse mich nicht für irrsinnig erklären; am wenigsten von euch – unartiger Affenchor!« »Und wir fühlen uns durch diese Benennung gar nicht getroffen: wenn man so schön ist wie wir ... denn du wirst doch zugestehen, Tante, daß wir nicht üble Erscheinungen sind – voll Anmut und Zauber ... Unser Herr Bruder da, der Leutnant, bricht alle Herzen und wir –« »Ihr Prachtmädels habt wohl an jeder Fingerspitze einen grausam leidenden Anbeter baumeln? – Also hört mir zu; in meiner Geschichte ist diesmal auch von Liebe und allerlei Sentimentalem die Rede. Das sieht mir freilich nicht sehr ähnlich, wie? Schwärmerei, Augenverdreherei, alles was melancholisch und pathetisch ist, das verträgt sich