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Franziskus

Geschrieben 1916 in Ragaz, Davos, Locarno für Johanna und Fredy Kaufmann Es ist so süß, krank zu sein, wenn draußen der sanfte Schnee fällt und der Winterwind wie ein verfrorener Bäckerjunge durch die Straßen trabt. Eine holde Müdigkeit in den Kniegelenken sitzt man, fröhlich hüstelnd und heiter fröstelnd, im Lehnstuhl. Während das Wasser in der Teemaschine summt, und das Mädchen mit einer Schale leichtem Backwerk vorsichtig das Zimmer betritt, fällt jede Vorstellung und Verstellung von Pflicht oder Zweck des Lebens bedingungslos von einem ab. Man hat nichts anderes zu tun, als krank zu sein. Alle Gefühle lösen sich in leichte Schmerzen auf, die grade so weh tun, daß man noch weiß, es sind Schmerzen. Um fünf Uhr nachmittags, wenn es dämmert, beginnt das Fieber. In rosa Wolken verflattert die Dämmerung und die Nacht geht auf wie die Sonne: purpurrot. Der Arzt, der ein guter Freund von mir ist, kommt um halb sieben. Ja, etwas Festes würde ich noch nicht essen. Vor allem keine Fleischkost. Aber wie wäre es mit Rosenkohl und Kastanienmus? Wir haben ja sowieso einen fleischlosen Tag. Der Arzt weiß, was mir schmeckt, denn er ist mein Freund. Übrigens ist er selber krank, trotzdem er Arzt heißt. Er hat dieselbe Krankheit wie ich. Und da wir unsere Krankheit – o wie gut! – kennen, spielen wir manchmal mit ihr. So lange sie sichs gefallen läßt. Denn sie ist nur im Sommer und Winter

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