Erster Teil
Gestern noch stand ich an dem Pier in Bremerhaven und winkte dem Dampfer nach, auf dem die Kinder langsam an mir vorbeigeglitten waren, als er aus der Mündung der Weser fuhr. Gestern noch grüßten mich Ilsens Augen über dem großen Strauß von roten Rosen, während sie sich an ihren Mann lehnte. Heute umfängt mich das Torfhaus im Teufelsmoor. An dem Fenster des kleinen Zimmers sitze ich und habe lange hinausgeschaut auf das Moor. Im Wagen bin ich von Bremen herübergefahren. Mein Kind selbst hat mir Quartier bereitet, und meine Wirtsleute empfingen mich und brachten mich in mein Zimmer. Ich sah die schwarzen Torfpyramiden, die von weitem so wunderbar erscheinen, wie Grabmäler, und die Wolken an dem Himmel, der sich über das alles spannt, weit und blau, und eine unendliche Traurigkeit zog in mich ein, am Vorabend dieser langen Trennung. Ich bin über die Heide gegangen, und dann habe ich angefangen, an mein Kind zu schreiben. Ich weiß ja aber, daß der Brief sie nicht trifft von heute zu morgen, und es ist mir zum ersten Male gewesen, als würden meine Worte kalt. In der Nacht, in dieser ersten Nacht hier im Torfhaus, ist mir der Gedanke gekommen, ihr zu erzählen, was sich nicht ändert von heute zu morgen, was nicht gleich in ihre Hand zu kommen braucht, ohne seinen Wert zu verlieren, und was mir helfen wird über diese lange Zeit der Trennung, was mein Herz beruhigen und wieder froh