Erster Teil
Ein Märchen in fünf Aufzügen 1815 Ein Gerichtssaal. Zwei Räte, ein Schreiber. Erster Rat: So haben wir nun heute das Protokoll ohne unsern Herrn Präsidenten schließen müssen. Zweiter Rat: Die Reise, die der Herr gemacht hat, war nicht länger aufzuschieben, er mußte bei der Visitation gegenwärtig sein. Erster Rat: Dazu ist es so schönes und warmes Frühlingswetter, daß es zugleich eine Lustreise wird: die Aussichten sind unterwegs vortrefflich, die Chausseen ausgebessert, die Wirtshäuser unvergleichlich, und sein neuer Wagen der bequemste auf der Welt; da ist es nicht zu verwundern, wenn man die Geschäfte willig übernimmt, und einen ziemlichen Diensteifer sehn läßt. Zweiter Rat: Herr Kollege, der Mann ist ein würdiger Mann, und es ist ein Glück für uns, daß er unserm Departement vorgesetzt ist: hätte einer von uns das Glück, künftig einmal diesen Posten zu bekleiden – Erster Rat: Daran kann keiner von uns denken, dergleichen Fortun, dergleichen Karriere macht kein anderer. Zweiter Rat: Glück? Verdienst, mein Lieber; das, was man Glück nennt, gibt es in so wohleingerichteten Staaten nicht. Erster Rat: Nun, so nennen Sie es Zufall. Zweiter Rat: Noch weniger. Zufall? Bester, wie vertrüge es sich mit der gesunden Philosophie, diesen zu statuieren? Erster Rat: Je nun, leben und leben lassen: seien wir tolerant, damit andre uns auch unser bißchen Talent und Verdienst gönnen. Eins nicht