Chapter

Erster Teil

Hast du Angst, Gottfriedchen?« flötete Sybille, als sie den Freund neben sich zusammenzucken sah, während der Wagen mit knirschendem Differential durch eine Kurve wetzte. Der blonde Junge sah im Schein des violetten Spritzbrettlämpchens wirklich nicht sehr lebensfroh aus, er starrte mit verkniffenen Lippen auf die Straße voraus und hielt mit den Händen die Knie umklammert. »Wie beim Zahnarzt!« kicherte Sybille und stieß ihn mit dem Ellbogen an. Dabei hatte sie wohl eines der wassergefüllten Schlaglöcher übersehen, das Vorderrad patschte hinein und verriß ihr die Steuerung. Der Wagen wollte schleudern, aber sie fing ihn sofort ab und grinste Gottfried zu, der mit den Händen eine unwillkürliche Bewegung gemacht hatte, wie nach Steuer oder Bremse. »Blödsinnige Fahrerei!« knurrte er böse. »Die Straße ist nach dem Regen die reine Seife, und du haust mit achtzig, neunzig drüber weg … Was soll denn das!« – »Was das soll?« sang Sybille, süßer denn je. »Spaß machen soll es, sonst gar nichts. Das Leben ist doch so entsetzlich langweilig!« – »Mir nicht!« warf Gottfried hin. »Ich habe was zu tun!« – »Was soll ich darauf sagen?« jammerte Sybille. »Ich armes spätes Mädchen kann nur hoffen, daß ich einmal geehelicht werde. Und wenn ich mir in der Wartezeit ein wenig Spaß leiste – ist das gar so schlimm?« Gottfried grunzte Luft aus wie nach einem Rippenstoß: »Komm mir nicht mit der Walze –

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