Erstes Kapitel
Wann im letzten Abendstrahl Goldne Wolkenberge steigen Und wie Alpen sich erzeigen, Frag' ich oft mit Tränen: Liegt wohl zwischen jenen Mein ersehntes Ruhetal? Uhland Die Sonne war im Untergehen; da kam auch der Florian wieder, sich das hehre Schauspiel anzusehen. Die Lederkappe in der Hand und perlende Tropfen auf der Stirne, kam er hinterm Dorfe her und hielt nicht eher stille, als bis er auf dem Hügel den rechten Punkt erhastet hatte, von wo aus die Wunder des Himmels sich im vollsten Glanze zeigten. Hier blieb er stehen, faltete die Hände und blickte unverwandten Auges in den Glanz der Abendwolken. Sein Herz war bewegt, sein ganzes Wesen hing an dem weihevollen Anblick, er vergaß auf Augenblicke alles um sich her und ließ das Unnennbare auf sich wirken. Die Sonne trat hinter das westliche Gebirge, einzelne oder in Garben vereinigte Lichtfäden durchbrachen das duftige Blau des fernen Tannenwaldes, über dessen Wipfeln ein Verklärungsschimmer schwebte; aber bald zerfloss der heilige Schimmer, die goldenen Fäden rissen, die Dämmerung der Täler wurde rege und hob sich mählig zu den Höhen und den Bergeshäuptern. Florians Angesicht war verklärt, er bebte von der Trunkenheit eines reinen, weihevoll durchschütterten Gemüts. Er kannte diesen Zustand wohl; er suchte ihn auch, sooft die Plage einer Woche es erlaubte auf und kehrte immer reich an innerem Segen wieder heim. In diesem