Chapter

Goldi

Der farbige Sonnenschein des späten Nachmittags erfüllte das behagliche Zimmer. Am gedeckten Tische, der inmitten des Raumes unter der Hängelampe stand und mit blinkendem Kaffeegeschirr bestellt war, saß die junge Hausfrau in Gesellschaft einer Freundin. Die beiden Frauen hatten sich viel zu erzählen, von ihrem Jammer mit den Dienstboten, von den neuen Wintertoiletten, von den Verlobungen, Hochzeiten und Todesfällen in den Kreisen ihrer Bekannten, sie plauderten so unermüdlich und laut darauf los, daß man nur ab und zu von der Straße herauf das gedämpfte Geräusch der vorüberrollenden Fuhrwerke vernahm. Sogar der Kanarienvogel, der sich zuweilen hören ließ, hatte Mühe, mit seinem zwitschernden Gesang den Klang der beiden Stimmen zu übertönen. Und wenn es ihm glückte, dann mahnte ihn die Hausfrau mit unwilligem Zischen zum Schweigen. »Ein unausstehliches Tier! Man hört ja kaum sein eigenes Wort...« Nach solcher Mahnung verstummte wohl der Vogel und blickte mit erstaunten Äuglein unruhig umher, doch über die ihm zugefügte Kränkung schien ihn das zarte Stimmchen rasch zu trösten, das ihm durch die Drähte des Bauers zärtlich und leise zulispelte: »Goldi-Goldi! Mein süßes, süßes Goldi!« In dem kleinen Erker, den die Sonne mit leuchtenden Strahlen durchwob, stand der aus seinen Drähten geflochtene Käfig auf dem Nähtisch. Vor ihm, in einem schwerfälligen Rohrfauteuil, kauerte mit

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