Chapter

1. Kapitel

Durch die grauen Nebel des Herbstmorgens zog ein Schwarm von Wandervögeln. Wie zum Abschiedsgruße strichen sie noch einmal dicht über die Wipfel der heimischen Föhrenwälder hin, dann hoben sie sich hoch empor, wandten ihren Flug dem Süden zu und verschwanden langsam in der umschleierten Ferne. Aus einem der Fenster des mächtigen schloßartigen Gebäudes, das am Rande der Forsten lag, blickte ein Paar Augen jenem Fluge nach, die ernsten, düstern Augen eines Mannes, der im Gespräche mit einem andern Herrn am Fenster stand. Es war eine hohe, markige Gestalt, mit nicht schönen, aber ausdrucksvollen Zügen, blond und blauäugig, eine echt germanische Erscheinung; aber es lag etwas wie ein Schatten auf diesen Zügen, und die hohe Stirn war tiefer gefurcht, als es die Jahre des Mannes mit sich brachten, dessen straffe Haltung auch ohne die Uniform, die er trug, den Soldaten verrathen hätte. „Da ziehen schon die Wandervögel!“ sagte er, auf den Schwarm deutend, der immer weiter und weiter entschwand und sich endlich in den Nebelwolken verlor. „Der Herbst ist da, in der Natur – und wohl auch in unserem Leben!“ „In dem Deinigen doch nicht!“ warf sein Gefährte ein. „Du stehst ja erst in der Mittagshöhe dieses Lebens, in der vollsten Manneskraft.“ „Den Jahren nach allerdings, aber ich habe ein Gefühl, als würde mir das Alter früher nahen als jedem andern. Mir ist oft recht herbstlich zu Muthe.“

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