Buch I
Virginia hatte rührenden Abschied von ihrer Familie genommen und war mit dem großen Autobus von ihrem Heimatdorf zu der Großstadt gefahren. Sie war erst neunzehn Jahre alt, fühlte sich aber als eine wichtige Persönlichkeit. Als sie aber vier Stunden später in New York einem gut gekleideten Diener durch eine lange Reihe von Empfangsräumen folgte, schwand all ihr Stolz dahin, und sie kam sich sehr unbedeutend und klein vor. Der Lärm und das Treiben in der großen Stadt hatten sie betäubt, und sie glaubte noch die vielen Geräusche auf der Straße zu hören. Das vornehme, palastähnliche Gebäude machte großen Eindruck auf sie, denn sie hatte ihr Leben bisher in einem einfachen Farmhaus zugebracht, wo alle Leute arbeiten mußten und man sich keine Dienstboten halten konnte. Und nun befand sie sich plötzlich in der Wohnung eines Multimillionärs, die mit den kostbarsten, alten Möbeln aus Europa eingerichtet war. Ehrfurchtsvoll, beinahe furchtsam, sah sie sich um, als der große, stattliche Diener sie zu dem Allerheiligsten des großen Mannes führte, auf dessen Einladung hin sie hierhergekommen war. Sie wußte zwar noch nicht viel von Kunst, aber mit Bewunderung betrachtete sie die herrlichen Gemälde an den Wänden, die reicheingelegten Parkettböden, die Bronzen und den einzigartigen Blumenschmuck. Es war eine Offenbarung für sie, daß das gutgeschulte Personal nur leise und bescheiden sprach