Chapter

Über Erotik

Die meisten Menschen pflegen ihre Mitmenschen in zwei große Klassen einzuteilen: In ihre Freunde und ihre Feinde, in diejenigen, mit denen sie ein und dieselbe Sprache verbindet, und in diejenigen, mit denen sie keine Verständigung finden, in diejenigen, die ihrer Entwicklung förderlich sind, und in diejenigen, die sie in ihrer Entwicklung hindern. Auch ich möchte die Menschen in zwei große Parteien einteilen. Die eine Partei huldigt seit Menschengedenken dem Wahlspruch: „Fleisch bleibt Fleisch — im Gegensatz zum Geist.“ Selbstverständlich ist der Geist dabei das höhere Element, der absolute Herrscher, der jede selbstherrliche, revolutionäre Aeußerung des Fleisches aufs unerbittlichste rächt und straft. Diese Geringschätzung und Entwürdigunghat sich aber das Fleisch auf die Dauer niemals gefallen lassen. Das Fleisch hat den Bekennern des Wahlspruches: „Fleisch bleibt Fleisch — im Gegensatz zum Geist“ immer und immer wieder den tollsten Schabernack gespielt. Infolge dieses ewigen Schabernacks hat sich eine andere Partei gebildet, die nach reiflicher Erfahrung dem Wahlspruch huldigt „Das Fleisch hat seinen eigenen Geist.“ Im Sinne der Bekenner dieses Wahlspruches sind die in diesem Buch enthaltenen Erzählungen geschrieben. Ihre Probleme drehen sich um den eigenen Geist des Fleisches, den wir im allgemeinen Erotik nennen. Diese Erotik hat bis vor wenigen Jahren nicht nur in

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