Die Schmiede
Der Tag, an dem Iris die Handschuhe ablegte, war ein Dienstag im November, grau und regnerisch, ein Tag, an dem nichts Bedeutsames hätte geschehen sollen. Sie stand im Garten hinter dem Haus, allein — ihre Mutter war in der Stadt, eine Vorsichtsmaßnahme, auf der Iris bestanden hatte — und zog die Handschuhe aus, Finger für Finger, langsam, wie man einen Verband von einer Wunde löst.
Die Flammen kamen sofort. Sie brachen nicht aus ihren Händen hervor, wie Iris es erwartet hatte; sie entstanden in der Luft um sie herum, als hätte die Atmosphäre selbst Feuer gefangen. Orange und Gold und ein tiefes, sattes Rot, das sie in keinem gewöhnlichen Feuer je gesehen hatte. Der Regen verdampfte, bevor er ihre Haut berührte, und um Iris bildete sich eine Kuppel aus Hitze und Licht, die den trüben Novembertag in einen Hochsommerabend verwandelte.
Sie hatte Angst. Natürlich hatte sie Angst — siebenhundert Jahre Familiengeschichte schrien in ihrem Kopf, warnten vor dem Kontrollverlust, vor der Zerstörung, vor dem Preis der Gabe. Aber dann dachte sie an Margarethe und an die Worte in der Chronik, und sie hörte auf zu kämpfen. Sie ließ das Feuer kommen, ließ es durch sich hindurchfließen wie Wasser durch ein Flussbett, und als sie aufhörte, es zu fürchten, hörte es auf, wild zu sein.
Als ihre Mutter am Abend zurückkehrte, fand sie Iris im Garten sitzen, die Hände nackt und kühl, und um sie
