Der Erste Funke
Es begann an ihrem sechzehnten Geburtstag, wie es in ihrer Familie immer begann. Iris Voss saß am Frühstückstisch, die Hände um eine Tasse Kakao gelegt, als die Tasse zu kochen begann. Nicht das Getränk darin — die Keramik selbst. Das Porzellan glühte erst orange, dann weiß, und bevor Iris die Hände wegziehen konnte, zerplatzte die Tasse in einem Regen aus geschmolzenen Tropfen, die auf der Tischdecke Löcher brannten, die nach Asche und etwas Süßem rochen.
Ihre Mutter, die am Herd stand, drehte sich nicht um. Sie schloss nur die Augen, und in ihrem Gesicht arbeitete etwas, das halb Trauer war und halb Resignation. „Es hat angefangen", sagte sie, und es klang wie ein Urteil. Dann holte sie den Handschuh aus der Schublade — dick, aus einem Material, das Iris nicht kannte, mit Symbolen bestickt, die im Licht der Küchenlampe zu flimmern schienen — und reichte ihn ihrer Tochter. „Trag ihn. Immer. Bis du gelernt hast, es zu kontrollieren."
Iris zog den Handschuh an und spürte, wie die Hitze in ihren Händen sich beruhigte, eingesperrt und gedämpft wie ein Feuer unter einer Löschdecke. Aber in ihrem Inneren, tief hinter dem Brustbein, brannte etwas weiter, das sich nicht so leicht ersticken ließ — eine Flamme, die mit jedem Herzschlag heißer wurde und die Iris mit einer Gewissheit erfüllte, die ebenso aufregend wie beängstigend war: Dies war erst der Anfang.