Die Feuerbestattung
Vor einigen Jahren wurde mir das Glück zu Theil, den Frühling in der Schweiz zu verleben. Zu keiner Jahreszeit ist die Poesie der Berge holder und großartiger als im Lenze. Dann wird das Grün der Vegetation nicht vom Schnee und Eise der Bergesspitzen durch einen breiten Gürtel öden, grauen Gesteins getrennt, sondern jeder der stolzen Bergesriesen erscheint in der Majestät eines Gletschers, dem das weiße Gewand vom hohen Gipfel herab bis dicht und unmittelbar an das Grün der Föhren- und Lärchenwaldungen sich erstreckt. Man erkennt seine alten Freunde kaum wieder. Dieselben Berge, welche im August bedeutungslos und unschön erschienen, treten jetzt in vollen Prachten dem Besucher entgegen und entzücken durch die nun scharf hervorleuchtenden Einzelheiten ihrer Formen. Und die Bäche, die Wasserfälle! Während der herbstlichen Reise hielten sie ebenso ihre Ferien wie der sie Besuchende. Jetzt aber sind sie in voller Arbeit. Rauschend und schwatzend schnellen sich die grünlichweißen Achen über das Steingeröll ihres Bettes. In mächtigen Garben gesellt sich zu ihnen das von der Höhe herabstürzende frischgeschmolzene Wasser, welches mit dem Tosen und Brausen des Jugendübermuthes seiner Fessel entrinnt und in’s Dasein tritt. Welche Umgebung ist ihm aber auch bereitet! Kaum ist der Schnee in dem Thale oder auf dem Bergeshange verschwunden, so zeigt sich ein Teppich des saftigsten