Chapter

Wandlungen einer Äbtissin

Nachdem der Tod, unser aller Meister, der hochbetagten Gräfin Meta den Krummstab aus den kleinen, tyrannischen Händen gewunden hatte, war Marie Walburga, Freiin zu Trostberg, zu ihrer Nachfolgerin erwählt, oder sagen wir, von den Ereignissen dafür ausgespart worden. In den Jahren, die dem Weltkrieg folgten, waren die Damen, bis auf wenige, in ihre Familien zurückgekehrt. Ein für sie empfindlicher Abstieg. Als Stiftsinsassinnen hatten sie Oberstenrang, einen Logenplatz im Theater und in der Hofkirche gehabt, ebenso das Anrecht, die Stiftskutsche zu benützen, in Begleitung des Lakaien Schreyvogel, der mit der Ernsthaftigkeit eines Küsters die Visitenkarten der Damen abgab, ohne je die in der Kutsche hinter braunseidenen Gardinchen halb versteinert Sitzenden anzumelden. Nun bei den Geschwistern, Neffen und Nichten untergebracht, hatten sie es teils gut, teils weniger gut, manchmal auch herzlich schlecht getroffen. Jedoch die seit Kriegsende mehr und mehr geschrumpften Mittel des Stifts ließen nicht zu, daß sie unter seinem alten, schön geschweiften Dach verblieben. Die Äbtissin zwar, eben jene uralte Gräfin Meta, hatte aus dem eindrucksvollen Barockhaus, in dem sie nun fast sechzig Jahre lebte und fünfunddreißig davon regierte, nicht weichen wollen. Unter strengsten Einschränkungen behauptete sie ihren Platz, bis ein Höherer sie abberufen würde. Sämtliche Staatsgemächer wurden

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