Fern der Welt
„Du wirst Dich sehr einsam fühlen! Dreißig Jahre zu früh, Günther!“ „Sage lieber, wenn auch nicht dreißig, doch ein halbes Dutzend Jahre zu spät, Gebhard.“ Der Freund lachte. „Dann wärst Du gleich vom Studenten Einsiedler geworden, ganz recht! Indessen, wenn Du es so nimmst, wäre auch das schon zu spät gewesen. Du hättest, noch ehe Du die wilde und freie Universität bezogst, in den Jahren süßer Kindlichkeit schon, wo möglich ohne erst in Berührung mit den verderbten Sprößlingen moderner Civilisation, welche die Schulbänke füllen, zu kommen, diese wald- und sumpfumgürtete Eremitage aufsuchen sollen. Freilich hättest Du dann das Glück meiner Bekanntschaft entbehrt, indessen ein Freund der Neuzeit ist ein sehr zweifelhaftes und zweideutiges Wesen; jene hohen, edlen Menschen aus Jean Paul’s Zeit sind ausgestorben und ihre Reste nur noch als Fossilien anzutreffen – Du hättest an mir auch nichts verloren. Daß ich Dich hier aufgespürt habe, geschah weniger aus idealer Freundschaft, als aus brennender Neugier und vielleicht auch aus Malice gegen eine gewisse Abneigung –“ „Halt, Gebhard!“ unterbrach ihn Günther. „Was Du sagen willst, erspare uns. Ueber mich kannst Du Deinen vollen Humor ausgießen, aber – Du weißt, was ich nicht dulden kann.“ „Es fällt mir auch gar nicht ein, Deine loyale Treue erschüttern zu wollen. – Wahrhaftig, Günther,“ fuhr er, plötzlich den Ton wechselnd, fort, „Du