Die Feen
Sie folgten Johanna nach Hause. Nicht eine, sondern ein Dutzend, kleine Lichter, die durch das Schlüsselloch und unter der Tür hindurchglitten und sich in ihrem Wohnzimmer versammelten wie Glühwürmchen, die ein Ziel gefunden hatten. Johanna setzte sich auf den Boden und beobachtete sie, und die Feen beobachteten sie, und für eine lange Weile sagte niemand etwas, weil manche Dinge keine Worte brauchten.
Die älteste Fee — wenn man bei Wesen, die wie Licht aussahen, von alt und jung sprechen konnte — trat vor und berührte Johannas Stirn. Die Berührung war warm und kühl zugleich, und in Johannas Kopf entfaltete sich eine Geschichte, die sie nicht hörte, sondern sah: Der Spreewald war einst das Reich der Feen gewesen, lange vor den Menschen, und die Wasserarme waren nicht natürlich entstanden, sondern von den Feen angelegt worden, als Straßen und Wege und Pfade durch ihre Welt.
Die Menschen waren gekommen und hatten die Feen nicht gesehen, weil sie nicht mehr sahen, was sie als Kinder gesehen hatten. Die Feen waren geblieben, unsichtbar und geduldig, und hatten die Fließe bewacht und die Erlen gepflegt und den Spreewald am Leben gehalten, während die Menschen glaubten, sie täten es selbst. Aber nun war etwas geschehen, das die Feen nicht allein bewältigen konnten, und sie brauchten jemanden, der sie sah und hörte und verstand — jemanden wie Johanna, die einmal geglaubt hatte und
