Chapter

Der Dichter

Sieht ihm nicht die enge Grenze, Die das Alltagssein umflicht! Bietet ihm die kahlen Kränze Eurer mäßigen Freuden nicht! Reicht ihm auch nicht Eure Becher, Scherben, halbgefüllt und matt, Ihm, dem lustberauschten Zecher, Der die Götterschale hat! Eure Krücken, unverhohlen, Bieten ihm nicht Stützen dar, Der an Schultern und an Sohlen Trägt ein luftig Flügelpaar. Was weiß er von Euren Schranken, Die dem Mittelmaß Ihr zieht, Da mit Seele und Gedanken Er durch alle Himmel flieht! Was weiß er von Eurem Glücke, Das Ihr mühsam Euch erbaut, Da mit einem einzigen Blicke Er der Götter Wonne schaut! Was weiß er von Eurem müden Streben nach dem Rausch der Welt, Da die Frucht der Hesperiden In die offene Hand ihm fällt! Was weiß er von Tag und Stunde, Die Ihr zu berechnen pflegt, Da sein Herz in der Sekunde Voll wie für Äonen schlägt! Was weiß er von jener Schwere, Die Beruf und Stand vermißt, Da in seiner freien Sphäre Alles Licht und Flamme ist! Möge flüchtig er verschweben In dem All, des Sanges müd: Lebend dichtet er ein Leben, Tot wird selber er zum Lied. Sieht ihm nicht die enge Grenze, Die das Alltagssein umflicht! Bietet ihm die kahlen Kränze Eurer mäßigen Freuden nicht! Reicht ihm auch nicht Eure Becher, Scherben, halbgefüllt und matt, Ihm, dem lustberauschten Zecher, Der die Götterschale hat! Eure Krücken, unverhohlen, Bieten ihm nicht Stützen dar, Der an Schultern und an Sohlen

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