Fata Morgana
I. Es war im Jahre 1785, als der Doctor der Medicin, Friedrich Färber, von der Universitär Halle aus, seine naturhistorisch-philosophische Reise nach Sicilien anzutreten beschloß, um die zwei Jahre vorher geschehene Erdbebenverwüstung der Stadt Messina gehörig zu würdigen, ingleichen auch das berüchtigte Nebelblendwerk zur See, Fata Morgana geheißen, in aufklärenden Augenschein zu nehmen. Um jene Zeit waren die Reisenden im großen Styl noch ungleich seltner, als jetzt, wo theils ein edler Eifer für wissenschaftliche Forschungen, theils auch gewaltige Heereszüge, an die Art und Weise der Völkerwanderungen erinnernd, die Individuen dergestalt rasch über den Erdglobus hintreiben, daß eine sonst Staunen erregende Fahrt jetzt aussieht, wie ein Spaziergang auf das nächste Dorf, — oder kaum das einmal. Die Familie des Doctor Friedrich Färber zu Halle — oder eigentlich seine erst als künftig zu betrachtende Familie, denn es war die seiner verlobten Braut, Demoiselle Jeanette Schulzemann, — sahe die vorhabende Fahrt des jungen Gelehrten nach beträchtlich engerem Zuschnitt an. Dem guten Hausvater und Victualienhändler Schulzemann gelleten noch immer die mit Staunen herausgestossenen Worte in's Ohr, womit ihm vor fünf Jahren einige befreundete Nachbarn zugerufen hatten: „Denken Sie sich um's Himmelswillen: des Gevatter Leberecht's jüngster Sohn will nach Italien fahren!“ Die allgemeine