Erstes Kapitel
Der Pudel Famulus ist bestraft worden. In dem altväterischen, doch behaglichen Wohnzimmer im Erdgeschoss des »Hofgutes« zu Wendlingen, sitzt er und starrt, allem Aeusserlichen abgewandt, vor sich hin. Mit seiner tiefschwarzen, von der Nachtluft feuchten und zerwühlten Mähne gemahnt sein Aussehen irgendwie an das eines etwas entgleisten, genialen Menschen. Famulus ist verstimmt und will von Niemand etwas wissen. Er ist empfindlich und eben schwer gekränkt worden. Prügel sind nun einmal seine Sache nicht. Und zwar ist es nicht das körperlich schmerzhafte, was er dabei scheut, bewahre! In dieser Beziehung kann er sich auf seine dichten, wolligen Haarsträhne und auf die milde Hand des Herrn verlassen. Geprügelt werden macht unwirsch und störrisch, geprügelt werden ist schmachvoll. Dass die Menschen dafür kein Verständnis haben! Nun, das weiss er ja längst. Dabei überfliessen ihre Reden von schönen Worten: Rassentier, Prachtexemplar, Königspudel u. s. f. Ja, bild' du dir etwas ein auf Abstammung! Abstammung? Mein Gott, was hat einer heutzutage noch davon! Der Respekt vor allem Königlichen ist dahin ...« So und ähnlich überlegt Famulus. Das merkt seine Herrin, – wir wollen sie kurz »die Frau« nennen – die, über eine Arbeit gebeugt, bei der Lampe sitzt. »Doch«, sagt sie plötzlich aufstehend und den Kopf ihres Hundes zwischen beide Hände nehmend und ihn aufrichtend, dass er sie ansehen